Grenzüberschreitendes Radsportfestival seit 27 Jahren Es war eine Vision: Schon zu seiner Zeit als aktiver Radrennfahrer beschäftigte sich Rudi Renz, bis heute Motor und Seele der Rothaus Regio-Tour, mit Plänen für eine Radsportveranstaltung, die die Menschen am Oberrhein einander näher bringen sollte. 1984 bekam das Vorhaben dann erste Konturen, als Renz mit Daniel Baal vom französischen Radsportverband, dem Elsässer André Zundel und Eugen Schüch aus Basel im Dreiländereck ein Rennen auf die Beine stellte.
Nicht nur aus sportlichen, sondern auch aus politischen Gründen. Das Motto für die Gründerväter lautete: „Stehen wir mit dem Rücken zur Grenze, sind wir die Letzten im Lande. Wenden wir uns einander zu, stehen wir in der ersten Linie Europas“. Gemeint sind die Regionen Südbaden, das Elsass und die Nordwestschweiz. Wenig später, am 23. Februar 1985, wurde dazu im Gasthof Rössle in Gundelfingen bei Freiburg von Rudi Renz und seinen Mitstreitern der Verein zur Förderung des Radsports in der Region gegründet. Alle Beteiligten waren davon überzeugt, dass diese Veranstaltung nur eine Rundfahrt sein konnte.
Da aber alle Veranstaltungstermine der drei beteiligten nationalen Verbände schon vergeben waren, musste die erste Regio-Tour in Deutschland als vier heimische Einzelrennen in Folge deklariert werden. Nur guter Wille und ein Zufall ermöglichten dann auch die fünfte Etappe im Elsass: Dort gab André Hiltenbrand, Inhaber der Taverne Vigneron in Guebwiller, bei jeder Menge guten Rotweins seinen schon bestätigten Termin für ein nationales französisches Nachtrennen an Rudi Renz weiter: Die Regio-Tour überquerte damit ganz im Sinne ihrer Väter schon bei der ersten Auflage 1985 den Rhein in Richtung Frankreich.
Guebwiller, das beschauliche Städtchen am Fuß der Vogesen, gehört inzwischen wie selbstverständlich zur Regio-Tour und war seit 1996 siebenmal in Folge Etappen- Start- oder Zielort.1987 erschien erstmals eine Europa – Etappe in der Marschtabelle: Das gesamte Fahrerfeld nebst Begleit-, Mannschafts- und Pressefahrzeugen überquerte auf ihrem Weg zweimal Ländergrenzen. Dabei auch der Ehrenpräsident der heute genannten Rothaus Regio-Tour, Adi Breuer, und Max Ackle, langjähriger Journalist. Als der Tross weder von den schweizerischen noch von den französischen Grenzbeamten aufgehalten wurde, war Ackle den Tränen nahe. Besser und eindringlicher konnte die Grundidee der Regio-Tour kaum vermittelt werden: Völkerverständigung ohne trennende Grenzen mitten in Europa! Damals noch lange nicht selbstverständlich, heute fast Normalität.
Viele ehrenamtliche Helfer aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz sorgen seit nunmehr 26 Jahren im August dafür, dass dieses hochkarätige Sportereignis reibungslos über die Bühne geht. Rudi Renz erzählt über die Anfänge der Regio-Tour:
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Sportlich ein Juwel
Der Etat für die erste Auflage der Regio-Tour betrug 1985 bescheidene 60 000 Mark. Bis 1993 ausschließlich Amateuren vorbehalten, traten schon im ersten Jahr die Fahrer der Nationalmannschaft aus Malaysia kräftig in die Pedale. Zwei Jahre später versammelten sich dann etliche Nationalteams mit ihren besten Amateuren am Oberrhein. So trug sich 1987 Supersprinter Mario Cipollini (Weltmeister 2002, Dominator der Flachetappen bei der Tour de France in den 90er-Jahren) in die Siegerliste ein. Ein Jahr später beehrten die Staatsamateure aus der Sowjetunion, damals die weltweit beste Sportgruppe, die Veranstaltung. Und 1993 kämpften 13 National – Teams aus aller Herren Länder um den Sieg.
1997 schließlich wurde die Regio-Tour vom Weltradsportverband UCI auch als hochklassiges Mehrtagesrennen eingestuft, von denen es weltweit nur rund 30 gibt. Vorher aber – 1994 – öffnete sich die Tour erstmals den Profimannschaften, die seither das sportliche Geschehen prägen.
1996 konnte sich ein gewisser Jan Ullrich als Sieger der 12. Rundfahrt feiern lassen und befindet sich im Goldenen Buch als Deutschlands bislang einziger Tour de France-Gewinner in bester Gesellschaft. Klangvolle Namen aus der Radsportwelt zieren mit Weltmeistern und Olympiasiegern die Teilnehmer- oder Siegerlisten. Im Gegensatz zu Jan Ullrich konnte der Texaner Lance Armstrong die Regio-Tour nicht gewinnen. Es reichte „nur“ zu einem Etappensieg – am 13. August 1991 in Emmendingen.
Diese Namen belegen unter anderem die heutige internationale sportliche Bedeutung der Rothaus Regio-Tour. Dabei hat sie sich trotz aller Professionalisierung ihr ganz persönliches Ambiente bewahren können. Auch deshalb finden immer wieder die besten Radrennfahrer aus aller Welt ihren Weg ins Dreiländereck.
Für das grenzüberschreitende Engagement bekamen die Regio-Tour-Gründer Rudi Renz und Adolf Breuer im Jahr 2007 sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Für die Jubiläumsauflage der Rothaus Regio-Tour im Jahr 2009 wurde die Ausrichtung grundlegend geändert. Anstelle von Profis fahren nun Juniorenfahrer (17 bis 18 Jahr alt) aus Deutschland und der ganzen Welt in Südbaden und dem Elsass um die Wette. Damit will Rudi Renz die Nachwuchsarbeit im Radsport vorantreiben.
Rudi Renz spricht über die Stars der Regio-Tour:
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